IT-Lodge 2017

30.08.2017
Agile Software als Maßanzug [Video]


Solarlux-CIO Michael Berens zieht eine Zwischenbilanz nach knapp einem Jahr Outbranching mit SHE in Cluj.

Alles von der Faltwand über den Wintergarten bis hin zur kompletten Stadionfassade: Die Solarlux GmbH fertigt konzipiert, produziert und realisiert individuelle Glas- und Fassadensysteme. Michael Berens, CIO des familiengeführten mittelständischen Unternehmens mit 780 Mitarbeitern in mehr als 50 Ländern und Hauptsitz im niedersächsischen Melle, stand 2016 vor der Herausforderung, eine Plattform für die Ablösung des existierenden Kundenportals zu schaffen.

Um den Übergang schlank und kalkulierbar zu gestalten, sollte die neue Plattform auf Microservices aufgebaut werden: kleinteilige Anwendungen, die in kurzen, einzeln testbaren Entwicklungsschritten fertiggestellt und zu einem flexiblen Ganzen, das gleichzeitig Sicherheit und Stabilität gewährleistet, zusammengefügt werden können. „Wir wollten weg von der Big-Bang-Problematik“, die sich aus großen Entwicklungsprojekten oft ergebe, so der CIO. Das sei gerade in Bereichen mit viel Dynamik wie Vertrieb und Kundenmanagement sehr wichtig.

Glatter Change-Prozess mit Microservices

So ein Change lässt sich nicht nebenbei bewerkstelligen; das war Michael Berens von Beginn an klar. „Aus der Historie wissen wir, dass interne Entwickler immer auch Aufgaben aus dem Tagesgeschäft haben.“ Also stand er vor der Aufgabe, ein Team aufzubauen, das die Plattform und die Applikationen entwickelt – und zwar in agiler Methodik. Denn Software in Microservices-Architektur lässt sich eigentlich nur agil entwickeln: mit viel Verantwortung für die einzelnen Entwickler, einem kommunikationsstarken Projektmanagement und unter verantwortlicher Beteiligung der Fachabteilungen.

Das stellt hohe Anforderungen an alle Team-Mitglieder, angestammte wie neue. In Melle jedoch, das im Städtedreieck Osnabrück, Bielefeld und Paderborn liegt und von wo es auch nicht sehr weit nach Hannover ist, erwies es sich als äußerst schwierig, überhaupt Entwickler zu finden – erst recht solche, die mit Scrum oder anderen agilen Verfahren vertraut waren. Berens: „Die großen Städte binden die Ressourcen und wir gucken oft in die Röhre, wenn wir Stellen ausschreiben.“

Nearshoring – aber wie?

Angesichts dieser Situation gab es bei Solarlux schon früher Überlegungen in Richtung Nearshoring – dem Beschaffen von Entwicklungskapazitäten im nahe gelegenen Ausland. Es erwies sich jedoch als nicht so einfach, einen Fuß in diese Welt hineinzubekommen. Michael Berens: „Man kann ja nicht einfach jemanden ins Ausland schicken, um dort Entwickler zu suchen, ohne Verbindungen vor Ort zu haben.“ Was man brauche, sei eine stabile Infrastruktur für die Remote-Zusammenarbeit und den Draht zu einer Hochschule, um weitere Entwickler zu finden.

Damit kam SHE ins Spiel. Auf Einladung von Thomas Zick aus dem Hamburger Büro nahm der Solarlux-CIO im September 2016 an der IT Lodge am Hockenheimring teil, wo er neben dem Ludwigshafener Team auch Marius Cimpean aus der Niederlassung in Cluj kennenlernte. Das Wichtigste: Auf diesem Weg bekam man Zugang zu Entwicklerressourcen. Es dauerte dann nicht lange, bis ein Team aus Melle nach Cluj reiste. „Wir haben festgestellt, dass Mentalität und Zielvorstellungen zusammenpassen: agile Softwareentwicklung, und Microservices-Architektur“, resümiert Michael Berens den ersten Trip ins Nearshore-Land.

Auch die nächsten Entscheidungen fielen schnell: Anhand einer Web-App zur Berechnung des Wärmeübergangs-Koeffizienten von Verglasungen wurde die Zusammenarbeit zwischen Melle und Cluj ausprobiert – noch ohne festen Vertrag, sondern auf Basis von Time-and-Material-Berechnung. „Das hat gut geklappt“, urteilt der Solarlux-CIO und führt das auch darauf zurück, dass die Entwickler in Cluj sich auf „die Sache“ konzentrieren konnten und nicht vom Tagesgeschäft in der Solarlux-IT abgelenkt wurden.

Outbranching: logische Fortentwicklung

Der Übergang zu SHEs innovativem Outsourcing-Modell des „Outbranching“ war die logische Folge des erfolgreichen Tests: ein Team exklusiv für einen Kunden, das dezentral gesteuert wird. Für Solarlux wurden In Cluj schnell Entwickler mit den erforderlichen Skills gefunden und es wurde ein Team von drei Entwicklern aufgebaut, das zwecks „Onboarding“ einige Tage am Solarlux-Hauptsitz verbrachte. Der Meller Teamleiter und ein Kollege reisten ihrerseits für eine Woche nach Cluj, um die Nähe zum dortigen Team aufzubauen. Michael Berens: „Jetzt können wir in einem vernünftig gemanagten dezentralen Team gute Software bauen.“ Das ist die Idee des Outbranchings.

Die Zusammenarbeit zwischen Melle und Cluj wird nach der Scrum-Methode gemanagt, der Ausbau des Teams auf fünf Leute ist im Gespräch. Vorerst wurde das Team um zwei Halbtagskräfte auf Time-and-Material-Basis erweitert. Der CIO: „Das zeigt, wie flexibel dort in Cluj agiert werden kann.“ Und demnächst wird ein Entwickler aus Niedersachsen ins Cluj-Team integriert und per Videoschalte an den „Daily Stand-ups“ in Cluj teilnehmen, zusammen mit dem Entwicklungsleiter und dem Product Owner. Das Gesamt-Team findet das spannend, berichtet Michael Berens, „denn wer entwickelt nicht gern Software auf moderne Weise? Das ist eine Win-Win-Situation: für die Mitarbeiter in Cluj und für uns in Melle.“

Seine Zwischenbilanz nach einem Jahr Outbranching mit SHE Cluj: „ Wir haben Ideen ohne Ende, welche Software wir bauen können, die Nutzen für uns und unsere Kunden hat! Solche Software kann man nicht kaufen, wir bauen also einen Maßanzug. Das ist der richtige Weg.“

Solarlux-CIO Michael Berens zieht eine Zwischenbilanz.

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